Tagestipps

Freitag 19:05 Uhr BR-Klassik

Das Musik-Feature

Nikolai Medtner: Der letzte russische Romantiker Ein Porträt von Julia Smilga "Ich wurde mit einer Jahrhundertverspätung geboren, was ich daraus schließe, dass mich keine Umstände dazu bringen können, mit den gegenwärtigen Strömungen der Musik zu schwimmen." Das schrieb Nikolai Medtner über seinen Kompositionsstil. Geboren 1880 in Moskau, wuchs der Sohn eines deutschen Fabrikanten im Wohlstand auf, studierte am Moskauer Konservatorium und bildete mit Sergej Rachmaninow und Alexander Skrjabin ein Dreigestirn russischer Komponisten in Moskau. Die Ideen der Avantgarde seiner Zeit lehnte er vehement ab, stellte sich bewusst in eine Traditionslinie mit den Klassikern und Romantikern deutscher Prägung. Trotz des Konservatismus sind seine Kompositionen, größtenteils Klavierwerke, voller kühner Experimente. Allerdings war Medtners Oeuvre lange Zeit in Vergessenheit geraten, sowohl in Russland als auch in Europa. Ein Grund dafür ist sicher seine Emigration 1920 aus seiner mittlerweile kommunistisch regierten Heimat. In Stalins Russland war Nikolai Medtner als Verräter verpönt, seine Werke wurden nicht aufgeführt. Doch auch im Westen erlangte Medtner nie den großen Ruhm. Weshalb unterstützte Sergej Rachmaninow ihn heimlich sein Leben lang, welche Rolle spielte in seiner Karriere ein indischer Maharadscha und warum war Nikolai Medtner die Rückkehr nach Russland trotz mehrmaliger Versuche nie erlaubt? Julia Smilga ist in Russland und Deutschland auf die Suche nach Antworten gegangen.

Freitag 19:05 Uhr Ö1

matrix - computer neue medien

Wenn Skifahren digital wird. Gestaltung: Johanna Hirzberger Egal ob Fitness-, Gesundheits- oder Wetter-Apps: Mit unseren Smartphones in der Hosentasche sind wir ständig informiert. Und das immer und überall, auch auf der Skiipiste. Skigebiete in ganz Österreich nutzen den Trend zur virtuellen Ergänzung der Freizeit und locken mit digitalen Angeboten, etwa mit der Aufzeichnung der Skirouten, der gefahrenen Kilometer und Höchstgeschwindigkeiten. Johanna Hirzberger hat sich auf die Piste begeben und nachgefragt, wie wichtig die digitalen Anreize, von Apps bis zu Video-Anwendungen, für ein unterhaltsames und sicheres Skivergnügen sind. Moderation: Wolfgang Ritschl Redaktion: Franz Zeller

Freitag 19:15 Uhr Deutschlandfunk

Mikrokosmos - Die Kulturreportage

Selbsthilfe für psychisch Kranke Kunst statt Psychopharmaka Von Pia Rauschenberger Wer psychische Probleme hat, mit denen er nicht zurechtkommt, der muss in die Psychiatrie. Das ist eine weit verbreitete Meinung. Der Verein "Durchblick" in Leipzig will Möglichkeiten aufzeigen, wie es auch anders weitergehen kann, und schafft gleichzeitig einen besonderen Raum für Kunst und Kultur. In der alten Bauhaus-Villa mit großem Garten und eigener Bootsanlegestelle am Fluss sind Menschen willkommen, die es in der Gesellschaft sonst nicht leicht haben, sich heimisch zu fühlen. Hier gibt es täglich Essen, Kunstgruppen und Platz, um im Garten zu sitzen und eine Zigarette zu rauchen, ohne schief angeschaut zu werden. Ein regelmäßiger Besucher des "Durchblick" ist Piotr. Er erzählt, dass er sich hier von seiner psychischen Krise frei malen konnte. Die Wände der Villa sind voll von Bildern, die Geschichten erzählen vom Anderssein und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung. Tatsächlich kommt die auch von Menschen außerhalb des Vereins, die die Ausstellungen besuchen und so ein anderes Bild von "Verrücktheit" kennenlernen. Kunst statt Psychopharmaka

Freitag 20:03 Uhr SRF 1

Hörspiel

«Die Fragwürdigen» von Judith Keller - Premiere Es sind fragile Figuren, die durch die Textsammlung «Die Fragwürdigen» huschen: listige und lustige, schwermütige und leichtfüssige. Seismografisch beschreibt Judith Keller in Kürzestgeschichten, Miniszenen und Prosastücken Menschen, die sachte und fast unbemerkt durch ihren Alltag stolpern.

Freitag 20:04 Uhr rbb Kultur

JAZZ BERLIN

mit Ulf Drechsel Jazzfest Berlin 1983 - Space Is the Place Die Musik von Sun Ra scheint heute populärer denn je. Das Sun Ra Arkestra reist noch immer von Festival zu Festival, auch wenn der Namensgeber schon 1993 die Erde verließ und nun wahrscheinlich auf jenem Planeten regelmäßig Parties gibt, von dem er einst zur Erde kam: auf dem Saturn. 1983 weilte der Pianist und Keyboarder Sun Ra noch auf irdischem Boden und gab mit seinen All Stars (Lester Bowie, Don Cherry, Archie Shepp, John Gilmore, Marshall Allen, Richard Davis, Clifford Jarvis, Philly Joe Jones und Don Moyé) ein Konzert beim Jazzfest Berlin. Deutlich weniger spektakulär aber nicht minder fesselnd war der Soloauftritt des Pianisten Denny Zeitlin. Den zweiten Teil seines Konzertes hören Sie in Jazz Berlin am 21. Februar. Konzertaufnahmen vom 29. und 30. Oktober 1983 in der Philharmonie

Freitag 21:05 Uhr Deutschlandfunk

On Stage

Alternative Country und Weltschmerz Die kanadische Band Cowboy Junkies Aufnahme vom 7.7.2019 beim Rudolstadt Festival Am Mikrofon: Babette Michel "Fröhliche Stücke? Haben wir nicht allzu viele", sagt Margo Timmins, die Frontfrau der Cowboy Junkies. Vor allem in den Stücken vom neuen Album ,All That Reckoning" rechnet die kanadische Band mit den furchtbaren Dingen ab, die Menschen einander und der Welt antun können. Die Sängerin und ihre Brüder Michael (Gitarre) und Peter (Schlagzeug) sowie Kindergartenfreund Alan Anton (Bass) sind schon immer authentisch gewesen. Das erste Album nahmen sie 1986 in der Garage auf, das zweite und längst legendäre ,The Trinity Sessions" 1987 in nur sieben Stunden mit einem einzigen Mikrofon in einer Kirche. Verkauft wurden davon 1,5 Millionen Exemplare, was auch für die Cowboy Junkies unerwartet kam: "Wir haben bloß Musik gemacht." Ein Grund für den bis heute anhaltenden Erfolg der Vier ist, dass sie seit über 30 Jahren ihren eigenen Sound haben, für den sie Elemente aus Indie-Rock, Blues, Folk und Country verbinden. Beim Konzert zum Abschluss des Rudolstadt-Festivals 2019 traten sie mit dem Multiinstrumentalisten Jeff Bird auf. Alternative Country und Weltschmerz

Freitag 21:05 Uhr Bayern 2

hör!spiel!art.mix

Various Artists Art"s Birthday 2020 Livestream EBU EURORADIO Ars Acustica 2020 "Alles begann an einem 17. Januar vor 1.000.000 Jahren. Ein Mann nahm einen trockenen Schwamm und ließ ihn in einen Eimer Wasser fallen. Wer dieser Mann war, ist nicht wichtig. Er ist tot, aber die Kunst ist lebendig." (Robert Filliou) Der französische Fluxus-Künstler Robert Filliou legte im Jahr 1963 den 17. Januar als Geburtstag der Kunst fest. Seine Idee: der Kunst im Sinn einer "Fête permanente" (ständigen Feier) über ein "Eternal Network" (ewiges Netzwerk) auf jede erdenkliche Art Geschenke darzubringen. Filliou begründet damit eine Tradition, die nach seinem Tod 1987 weltweit fortgeführt wird, zunächst mit Kunstaktionen per Post, Fax und Amateurfunk, später per E-Mail und Internet. Die EURORADIO Ars Acustica Gruppe der Europäischen Rundfunkunion (EBU) vernetzt seit 15 Jahren über ihre zwei Satelliten Klangkünstler und Radiosender zu einer internationalen Geburtstagsparty. Der Bayerische Rundfunk überträgt 2020 erstmals 90 Minuten live in der Sendung hör!spiel!art.mix auf Bayern 2. Robert Filliou, geb. am 17. Januar 1926, französischer Künstler und Hauptvertreter des Fluxus. 1943 in der Résistance Widerstand gegen die NS-Besatzung, 1946 Emigration in die USA, 1951 Umsiedelung nach Südkorea, über Ägypten, Spanien, Dänemark zurück nach Frankreich. Proklamation des 17. Januars 1963 als 1.000.000ten Geburtstag der Kunst. 1972 Teilnahme an der Documenta 5 zusammen mit Joachim Pfeufer mit dem Projekt POIPOIDROM. 1984 Rückzug in das buddhistische Kloster Chanteloube. 1987 Tod ebenda.

Freitag 22:05 Uhr Deutschlandfunk

Milestones - Jazzklassiker

Bebop-König ohne Krone - der Trompeter Fats Navarro Am Mikrofon: Odilo Clausnitzer "Dizzy Gillespie ist ein guter Trompeter, aber er ist kein Fats!" Das Urteil des Pianisten Lennie Tristano sagt viel über das Ansehen, das Theodore ,Fats" Navarro in der New Yorker Modernisten-Szene der 40er-Jahre genoss. Für die Jazzöffentlichkeit stand er meist im Schatten berühmterer Kollegen. Aber in Sachen musikalischem Genie konnte ihm kaum jemand das Wasser reichen. Navarro wurde 1923 in Florida geboren. Seine Lehrjahre verbrachte er in Swing-Orchestern im Mittleren Westen der USA. Als er 1944 nach New York kam, blieb ihm nur noch kurze Zeit, seine Kunst zu entwickeln, denn Drogenabhängigkeit und Tuberkulose machten seinem Leben schon mit 26 Jahren ein Ende. Aufnahmen unter eigenem Namen gibt es nur wenige von ihm - die aber zeigen ihn als formvollendeten Meister des Bebop. Auch als Mitglied in den Bands des Pianisten Tadd Dameron erhielt Navarro viel solistischen Freiraum. Radiomitschnitte aus seiner letzten Lebensphase zeigen ihn als Mitglied im Charlie Parker Quintett. Die ,Milestones" - Sendung unternimmt einen Streifzug durch Navarros noch heute aufregende Einspielungen.

Freitag 23:00 Uhr Cosmo

COSMO Live

Sudan Archives & Lucibela - Sudan Archives liefert afrofuturistischen Soul mit West-Coast-Feeling und afrikanischen Zutaten. Lucibela hält das Erbe der Grande Dame der kapverdischen Traditionsmusik, Cesária Evora, aufrecht. Sudan Archives macht alles im Alleingang. Von L.A. aus produziert die 24-jährige Sängerin ihre Songs komplett selbst. Auch das Geigen hat sie sich selbst beigebracht und so ihre ganz eigene Spielart entwickelt. Kombiniert mit elektronischen Einflüssen aus R&B und HipHop schafft sie sich ihre musikalische Nische. Sudan Archives" Musik verbindet Soul, sudanesischen Folk und Rhythmen aus Afrika, und natürlich spielt ihre Geige immer eine große Rolle. Im letzten Jahr erschien ihr Debütalbum. "Athena" spielt als Zeichen der Selbstermächtigung einer jungen schwarzen Frau mit Symbolen der griechischen Mythologie und weißen Hochkultur - und klingt dabei futuristisch und frisch. Lucibela ist die aufstrebende Künstlerin der Inselgruppe, die das Erbe von Cesária Evora in ihrer Musik am Leben hält. Gleich wie ihr großes Idol hat auch sie in den Bars der kapverdischen Inseln Sal und Boa Vista angefangen. Mit ihren sehnsuchtsvollen Morna-Klängen erzählt sie von Schicksalsschlägen, der Liebe und dem Leben und hält dabei die Fahne für ihre Heimat, die Kapverden, hoch. Aufgenommen am 15.11.2019 beim Les Créatives Festival in Genf und am 28.07.19 beim Glatt & Verkehrt Festival Festival in Krems, Österreich.

Samstag 00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur

Lange Nacht

Schmelztiegel am Mekong Eine Lange Nacht über das Goldene Dreieck Von Dieter Jandt Regie: Jan Tengeler Das Goldene Dreieck in Südostasien ist reich an Kontrasten und geheimnisvoll. Eine Welt zwischen Tradition, Beschaulichkeit und dem Wandel zur Moderne. Der große Strom Mekong durchzieht die Region wie eine Lebensader im Grenzgebiet zwischen Thailand, Laos und Myanmar, bis hinauf in den äußersten Südwesten Chinas. Viele verschiedene Völker besiedeln das Land, betreiben Handel und vertreiben sich gegenseitig, seit Jahrhunderten. Opium war immer untrennbar mit dem Goldenen Dreieck verbunden. Über versteckte Pfade und schmale Grenzflüsse hinweg versuchen die Menschen bis heute, sich ihre kleinen Vorteile zu sichern. Auch der Glaube spielt eine wichtige Rolle, sei es beim buddhistischen Neujahrsfest in den Ebenen des Mekong, sei es beim Ahnenkult der Bergvölker, den christliche Missionare durch den Heiligen Geist zu ersetzen suchten. Dabei wird es eng am Goldenen Dreieck: Die Bergvölker wollen neue Siedlungsräume, die Menschen in den Ebenen den schnellen Wandel, dem selbst der Mekong unterworfen scheint.

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